Geriatrische Psychoonkologie - Belastungserleben und Belastungsverarbeitung von Angehörigen älterer Tumorpatienten sowie Möglichkeiten der psychosozialen Unterstützung
Ungefähr die Hälfte aller Tumorpatienten ist älter als 65 Jahre. In den letzten Jahren haben sich die Überlebenszeiten der Betroffenen durch Verbesserungen in den Behandlungsmöglichkeiten erheblich verlängert. Die Heilungschancen hängen dabei nicht nur maßgeblich von der Früherkennung ab, sondern auch der Verbesserung von Behandlungsmöglichkeiten ist eine entscheidende Rolle zuzusprechen. Die Tumorerkrankung hat sich dadurch in vielen Fällen in Richtung einer chronischen Erkrankung entwickelt, was Patienten und Angehörigen vielfältige Anpassungsleistungen abverlangt. Im Gegensatz zu diesen Befunden sind sowohl ältere Patienten als auch deren Angehörige in der Forschungsliteratur deutlich unterrepräsentiert.
Im Rahmen einer von der Deutschen Krebshilfe Forschungskooperation verschiedener Einrichtungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde von 1999 bis 2005 unterschiedlichen Fragestellungen nachgegangen - mit dem gemeinsamen Ziel, ein multidimensionales Assessment im Hinblick auf seinen Wert für die Therapieentscheidung des Arztes und die Behandlungspräferenzen älterer Tumorpatienten zu überprüfen.
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Exploration der spezifischen psychosozialen Belastungen Angehöriger älterer Tumorpatienten, deren psychische Verarbeitung und Möglichkeiten der Entlastung durch professionelle Helfer. Dabei wurde die frühe Phase der Erkrankung (Diagnosemitteilung und Primärtherapie) untersucht. Eine Tumorerkrankung stellt nicht nur für den Erkrankten selbst, sondern auch und gerade für dessen Angehörige und Lebenspartner/innen eine enorme Belastung dar. Somit sind Angehörige nicht nur eine wesentliche Quelle sozialer Unterstützung für die Patienten, sondern haben auf Grund ihrer Mitbetroffenheit und ihrer eigenen Belastungen gleichermaßen Anspruch auf Unterstützung.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Angehörige insgesamt bereits während der Primärtherapiephase einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt sind. In erster Linie werden emotionale und soziale Belastungen erlebt. Zwischen dem Belastungserleben und dem zeitlichen Pflegeumfang zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang. Als Ressourcen für die Angehörigen wurden bisher die emotionale Bindung zum erkrankten Familienmitglied und das subjektiv erlebte soziale Netzwerk identifiziert. Eine personale Ressource stellt die erworbene Bewältigungskompetenz der Angehörigen dar.
Unterstützungsangebote im Krankenhaus müssen sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Angehörigen orientieren - dies impliziert neben der Mobilisierung familiärer Ressourcen auch die Sensibilisierung und/oder Weiterbildung des medizinischen Personals.
Kontakt:
Dipl.-Psych. Christina Hempowicz (geb. Brix)
Tel.: 03641/934711