Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie

Das Interpersonale Modell der Persönlichkeit

Interpersonale Ansätze und Modelle betrachten Gesetzmäßigkeiten zwischenmenschlichen Verhaltens und Wechselwirkungen in Dyaden. Interpersonale Störungsmodelle, Diagnoseinstrumente und Therapieansätze sind aus der Psychotherapie und Psychotherapieforschung nicht mehr wegzudenken. Ausgehend von der Interpersonalen Theorie der Psychiatrie (Sullivan, 1953) und einer Taxonomie interpersonalen Verhaltens (Freedman, Leary, Ossorio, Coffey, 1951) entwickelten sich zwei verschiedene Forschungstraditionen: Während sich die eine Tradition interpersonaler Psychologie auf die Beschreibung und Erklärung von interindividuellen Unterschieden in zwischenmenschlichen Verhaltensaspekten konzentriert, werden in einem dyadischen Ansatz basierend auf der Strukturalen Analyse sozialen Verhaltens (Benjamin, 1974) zwischenmenschliche Wechselbeziehungen in den Mittelpunkt der Analyse gerückt. Als Grundlage sowohl für die Beschreibung von Verhaltensunterschieden als auch von dyadischen Wechselbeziehungen dient das interpersonale Kreis- oder "Circumplex"-modell. In beiden Ansätze wurden verschiedene Erhebungsmethoden entwickelt, die allesamt auf dem interpersonalen Kreismodell aufbauen.
Beide Ansätze der interpersonalen Forschungstradition werden heute in unterschiedlichen Forschungsfeldern der Persönlichkeitspsychologie (z.B. Carson; 1969, Wiggins, 1979) und der Sozialpsychologie (z.B. Locke u. Sadler, 2007), insbesondere aber in der Psychotherapieforschung berücksichtigt. Die Schwerpunkte liegen dabei nach wie vor auf der Beschreibung und Erklärung von Psychopathologie (Horowitz, 2004; Kiesler, 1982; Benjamin, 1993), der Bereitstellung interpersonaler Diagnoseinstrumente sowie auf der Entwicklung spezifischer psychotherapeutischer Behandlungskonzepte (Benjamin, 1996b, 2003; Kiesler, 1996).


Kontakt (ab 01.10.09):
Dipl.-Psych. Andrea Thomas
Tel.: 03641/(9)37795