Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie

Klinische Bindungsforschung

Die Bindungstheorie (Attachment Theory) wurde als klinische Theorie in ihren Grundlagen von John Bowlby entwickelt, um Deprivationsphänomene bei Kindern zu erklären. Nach der Bindungstheorie entwickeln Menschen insbesondere während der Kindheit aufgrund ihrer Erfahrungen mit der Responsivität und Sensitivität ihrer primären Fürsorgepersonen (Eltern bzw. Elternersatzpersonen, die - wie spätere enge Fürsorgepersonen - als Bindungsfiguren bezeichnet werden) kognitiv-emotionale Schemata von sich selbst, ihren Bindungsfiguren und den Beziehungen zu diesen. In strukturierter Form, als kausale Zusammenhänge konzipierende innere Arbeitsmodelle (inner working models), geben diese dann einen Rahmen dafür ab, inwieweit eine Person generell in Beziehungen Nähe, Fürsorge, Schutz und Trost von einem Bindungspartner erwartet, sich selbst der Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit anderer wert fühlt, wie eine Person soziale Informationen interpretiert und zu welchen emotionalen und Verhaltensreaktionen sie in sozialen und Belastungssituationen neigt.

Erfahrungen responsiven und konsistent feinfühligen Elternverhaltens führen zu sogenannten sicheren Bindungsrepräsentationen, die verbunden sind mit dem generellen Vertrauen in die Verfügbarkeit und Fürsorgebereitschaft eines Bindungspartners, dem Gefühl eigenen Wertes, ausgeprägten sozialen Kompetenzen und eher aktiven Coping-Verhaltensweisen. Personen mit unsicheren Bindungsmustern neigen hingegen zu Problemen im interpersonalen Bereich, dysfunktionalen sozialen Einstellungen und Verhaltensweisen, Misstrauen gegenüber anderen Menschen und einem geringen oder labilen Selbstwertgefühl.

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